
KONZEPT- UND ANWENDUNGSBLATT
Brettspiel "Mein inneres Team"
Ein visualisierendes Brettspiel zur
Ressourcenaktivierung, Konfliktklärung und
Förderung emotionaler Selbststeuerung
Mein inneres Team
1. Pädagogisches Konzept
Innere Prozesse sichtbar machen – Persönlichkeitsanteile spielerisch begreifen
„Mein inneres Team“ ist ein tiefenwirksames Reflexionsspiel, das pädagogischen Fachkräften
hilft, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen über innere Konflikte, Stärken und Blockaden
ins Gespräch zu kommen. Die Spieler:innen wählen Eigenschaften als Teammitglieder, stellen
Gegenspieler auf und reflektieren ihre inneren Dynamiken im Sinne einer systemisch-
lösungsorientierten Haltung.
Die Fußballfeld-Optik des Spielbretts eröffnet eine eingängige Metapher: Das Leben als Spiel –
mit Aufstellung, Strategie, Kapitän, Gegnerteam und Trainingsplan. Der Spielansatz schafft
emotionale Distanz bei gleichzeitig hoher Selbstbindung – ideal für Menschen mit geringer
Frustrationstoleranz, Sprachhemmung oder komplexen inneren Konflikten.
Das Spiel ist nicht starr – es kann im Verlauf verändert werden, so wie sich auch (Selbst-)
Wahrnehmung verändert und Entwicklung passiert.
2. Warum das Spiel im pädagogischen Kontext wirkt
reflexionsfördernd – strukturiert innere Anteile und erleichtert Selbstverstehen
lösungsorientiert – fördert Ressourcenaktivierung statt Problemfokussierung
systemisch anschlussfähig – unterstützt Beratung, Förderung & Zielarbeit
spielerisch und niedrigschwellig – besonders hilfreich in stationären, schulischen und beratenden
Kontexten
Der Unterschied zu klassischen Tools wie Karten oder Skalen:
Während Reflexionskarten oft visuelle Impulse bieten, entsteht beim Brettspiel ein haptischer,
interaktiver und dynamischer Prozess. Es geht nicht nur um Auswahl, sondern um
Positionierung, Rollenverteilung und Strategien – mit Begriffen aus dem Teamsport: Kapitän,
Ersatzbank, Aufstellung, Training.


Mein inneres Team
3. Spielinhalt auf einen Blick
1 hochwertiges Spielfeld aus Holz in Fußballfeld-Optik
52 Coins mit Begriffen aus Stärken/Kompetenzen/Blockaden & Herausforderungen::
Abhängigkeit, Angst, Anpassungsfähigkeit, Aufgeschlossenheit, Ausstrahlung, Belastbarkeit,
Disziplin, Durchhaltevermögen, Eifersucht, Egoismus, Eigeninitiative, Empathie, Führungskraft,
Geduld, Glaube, Hilfsbereitschaft, Humor, Intelligenz, Intuition, Körperliche Kraft,
Kompromissbereitschaft, Kreativität, Kritikfähigkeit, Misstrauen, Motivation, Mut, Offenheit,
Kontaktfähigkeit, Optimismus, Organisationsfähigkeit, Perfektionismus, Pessimismus,
Rücksichtnahme, Risikobereitschaft, Scham, Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit,
Selbstvertrauen, Selbstverteidigung, Selbstwirksamkeit, Spontanität, Sportlichkeit, Stolz,
Struktur, Teamfähigkeit, Toleranz, Trotz/Sturheit, Überzeugungskraft, Unabhängigkeit,
Unruhe/Ungeduld, Vertrauen, Verlustangst, Versagensangst, Willenskraft, Zuverlässigkeit
-
6 Spielkarten mit gezielten Reflexionsfragen:
Wer ist der stärkste Spieler aus dem Gegnerteam? Welche deiner Spieler könnten ihn
entkräften?Welche deiner Kompetenzen/Stärken bilden dein stärkstes Team?
Wer ist dein Mannschaftskapitän und somit der wichtigste Leistungsträger?
Welches Wunschteam würde ich in Zukunft erstellen, um meine Zukunft damit anzutreten?
Wer befindet sich in deinem Gegnerteam? Gegen wen musst du antreten?
Welches Team/welche Spieler bräuchte ich, um ein aktuelles Problem zu bewältigen?
Einsatzgebiete
Jugendhilfe & Wohngruppen
Schulsozialarbeit
Coaching & Berufsorientierung
Psychotherapie & Traumapädagogik
Familienhilfe & Paarberatung
Behindertenhilfe, Altenpflege, Biographiearbeit
4. Anwendungsempfehlung (Kurzversion)
Schnelleinstieg für Fachkräfte – wie im echten Spiel:
Aufwärmen: Brett und Coins bereitlegen – Einstieg ins Setting
Aufstellung: Teilnehmer:in wählt 6–8 Coins für das eigene Team (Stärken)
Gegneranalyse: Dann 3–6 Coins für das Gegnerteam (Blockaden)
Kapitän benennen: Wer gibt aktuell den Ton an? Wer sollte führen?
Spielanalyse: Reflexionskarten einsetzen – Spieler koppeln, Konter finden
Trainingsplan erstellen: Was soll gestärkt, was eingewechselt werden?
Auswertung: Erkenntnisse sichtbar machen – z. B. zeichnen, schreiben, sprechen

Mein inneres Team
Weitere Anwendungsideen (Stichpunkte):
Stärkung und Visualisierung eigener Fähigkeiten & Ressourcen
Reflexion von Schwächen, Hürden, Sorgen & Ängsten
Problemanalyse: Wer oder was stört, behindert, blockiert?
Pro & Contra-Aufstellung: Gute vs. belastende Anteile
Zielarbeit & Wunschteam: Welche Spieler brauche ich für mein Ziel?
Teamanalyse & Gruppendynamik: Wie sehe ich mich – wie sehen mich andere?
Fallbeispiel 1: Jugendhilfe – Arbeit mit 12-jährigem Jungen
Ein 12-jähriger Junge aus einer stationären Einrichtung wirkt innerlich sehr
angespannt. Er zieht sich häufig zurück, vermeidet Gruppenaktivitäten und reagiert
oft mit Widerstand auf neue Angebote. In einem begleiteten Einzelsetting mit dem
Brettspiel „Mein inneres Team“ beginnt er zunächst zögerlich, entscheidet sich dann
aber, ein eigenes Team aus den Coins Mut, Durchhaltevermögen, Kreativität,
Selbstvertrauen, Humor, Handlungsfähigkeit, Teamgeist und Intuition
zusammenzustellen. Als Kapitän wählt er Mut.
Sein Gegnerteam besteht aus Versagensangst, Angst, Abhängigkeit, Scham und
Misstrauen. In der Reflexion benennt er „Angst“ zunächst als lähmenden
Gegenspieler, der ihn oft davon abhält, Dinge zu tun. Doch im Gespräch mit der
Fachkraft beginnt er zu erkennen, dass seine Angst ihn manchmal auch schützt – z. B.
davor, wieder ausgelacht zu werden, wie früher in der Schule. „Die Angst will mich
eigentlich nur beschützen“, sagt er schließlich.
Durch diese Erkenntnis beginnt ein Prozess der Umwertung: Die Angst bleibt im
Gegnerteam, wird aber nicht mehr als Feind gesehen, sondern als Warnsignal, das
auch nützlich sein kann. Die Fachkraft nutzt dieses Bild, um mit ihm einen
Trainingsplan zu entwickeln: Wie kann Mut mit der Angst zusammenarbeiten? Wer
von der Ersatzbank – etwa Selbstvertrauen oder Intuition – könnte helfen, im
passenden Moment Verantwortung zu übernehmen.
Fallbeispiel 2: Mutter-Kind-Arbeit – Belastete Mutter reflektiert Familiendynamik
Eine 38-jährige alleinerziehende Mutter kommt ins Coaching, weil sie mit ihrem 10-
jährigen Sohn zunehmend in Konflikte gerät. Sie beschreibt sich selbst als
„dauerangespannt, gereizt und gleichzeitig hilflos“. Schule, Alltag, emotionale
Themen – alles fühlt sich zu viel an. Im Gespräch wird deutlich, dass sie sehr hohe
Ansprüche an sich stellt, aber kaum Zeit für sich selbst hat.
Mit Hilfe des Spiels „Mein inneres Team“ stellt sie ihr eigenes Team auf: Geduld,
Klarheit, Selbstwirksamkeit, Ausstrahlung, Intuition, Disziplin, Einfühlungsvermögen
und Verantwortung. Als Kapitän benennt sie Verantwortung – sie sagt: „Ich habe das
Gefühl, ich muss alles allein tragen.“
Im Gegnerteam wählt sie Überforderung, Selbstzweifel, Wut, Misstrauen und
Perfektionismus. Während der Reflexion wird spürbar, wie tief der Schmerz sitzt: „Ich
funktioniere nur noch. Ich habe immer das Gefühl, nicht zu reichen.“ Sie beginnt zu
weinen, als sie über den Coin „Perfektionismus“ spricht: „Ich will nicht die perfekte
Mutter sein – ich will einfach gesehen werden.“

Mein inneres Team
Gemeinsam mit der Fachkraft entwickelt sie eine neue Sichtweise auf einige ihrer
Gegner: Misstrauen, so erkennt sie, schützt sie davor, erneut verletzt zu werden – auch im
Kontakt zu sich selbst. Sie stellt einen Trainingsplan auf, in dem Geduld und
Selbstwirksamkeit regelmäßiger Einsatzzeit bekommen. Sie legt Selbstzweifel bewusst
auf die Ersatzbank, mit dem Ziel, künftig häufiger in sich selbst zu vertrauen. Der Kapitän
bleibt Verantwortung – aber nicht mehr in überhöhter Form, sondern als
selbstbestimmte Kraft.
5. Anwendungsempfehlung (Langversion)
Anwendungsvarianten im Überblick – prozessorientiert & kreativ einsetzbar:
Stärkung & Visualisierung eigener Fähigkeiten und Ressourcen
Spieler:innen stellen ihr inneres Team auf, wählen 6–8 Stärken und Kompetenzen
aus. Ziel: Selbstwahrnehmung fördern, Stärken erkennen, Ich-Gefühl stärken.Erarbeitung & Reflexion von Schwächen, Hürden & Sorgen
Gegenspieler definieren: Welche inneren Anteile blockieren? Was macht Angst? Wer
steht im Weg? Ziel: Auseinandersetzung mit belastenden Anteilen.Problemanalyse mit aktuellem oder früherem Konflikt
Die Spieler:innen beschreiben ein konkretes Problem. Dann wird sichtbar gemacht:
Welche Coins behindern? Wer im Team kann unterstützen? Welche Spieler fehlen?Pro- und Contra-Aufstellung
Aufteilung in stärkende und hemmende Anteile – Stärken vs. Blockaden. Visualisiert
wird ein innerer Dialog zwischen beiden Seiten.Ziel- und Wunschaufstellung
Teilnehmer:innen überlegen: Welches Wunschteam brauche ich, um mein Ziel zu
erreichen? Welche Spieler fehlen noch? Welche sollen ins Training?Gruppen- & Teamanalyse
Gegenseitige Aufstellung: Wie sehen mich andere? Welche Spieler ordnen sie mir
zu? Was macht unser Team stark? Was fehlt in unserer Gruppe?
Hinweis: Erfahrene Fachkräfte können das Spiel frei einleiten und dem Prozess Raum
geben. Bei sicherem Umgang kann das Spiel auch ohne Anleitung starten – was sich
daraus entwickelt, entsteht im Moment.
Wie?
Einstieg: Einladung zur „Teamaufstellung“ – Welche Spieler:innen gehören zu
deinem inneren Team?Spieler:innen wählen: Eigene Teammitglieder + Gegenspieler definieren (Stärken vs.
Blockaden)Kapitän benennen: Wer führt aktuell? Wer sollte führen?
Reflexionskarten nutzen: Lösungsideen, Zielbild, Gegenstrategien erarbeiten
Trainingsplan: Welche Spieler brauchen mehr Einsatzzeit? Wer geht auf die
Ersatzbank? Welche Stärken brauchen Training?Transferfragen stellen: Was nimmst du mit? Was kannst du morgen konkret
nutzen?Sichtbarkeit schaffen: Spieler aufzeichnen, im Portfolio dokumentieren, reflektieren

Wann?
In Einzelberatungen, Gruppenstunden, Fördersettings
In sozialem Kompetenztraining, Konfliktgesprächen, Coaching
Bei Übergängen, Entscheidungsprozessen, Zieldefinitionen
Vertiefte Spielanwendung – Haltung, Gesprächsführung & Transferarbeit
Das Spiel entfaltet seine volle Wirkung, wenn es nicht als „Tool“, sondern als Einladung
zur Selbsterkenntnis verstanden wird. Wichtig ist eine begleitende Haltung von echter
Neugier, Offenheit und Vertrauen in die Prozessfähigkeit des Kindes oder
Jugendlichen.
Spielerrollen gezielt nutzen – pädagogische Bedeutungen:
Stürmer: Der Stürmer steht für aktive Lösungsstrategien, Mut und
Zielorientierung. Er symbolisiert Anteile, die nach vorne preschen, Ziele erreichen
wollen und Energie in die Umsetzung bringen. Frage: „Welcher deiner Spieler geht
in die Offensive?“Torwart: Der Torwart schützt das eigene Innere. Er steht für emotionale Stabilität,
Grenzen und Schutz. Oft ist er ein Symbol für Selbstfürsorge, Abgrenzung oder
Resilienz. Frage: „Was hilft dir, dich zu schützen oder Dinge abzuwehren?“Abwehrspieler: Diese Rollen halten die Gegner auf Distanz. Sie stehen für innere
Schutzmechanismen, Struktur, Wachsamkeit oder Strategien zur
Problembewältigung. Frage: „Wer verteidigt dein Team gegen Blockaden?“Mannschaftskapitän: Spiegel aktueller Lebensrealität – wer übernimmt (bewusst
oder unbewusst) gerade Führung im Inneren?Ersatzbank: Steht für Unsicherheiten, Ambivalenzen und Entwicklungspotenziale –
was soll vielleicht bald ins Spiel kommen?Trainingsplan: Symbolisiert Wachstumsfelder – was braucht Stärkung? Welche
Kompetenzen müssen besser zusammenspielen?Fachkräfte sollten nicht zu schnell interpretieren, sondern zuerst Fragen stellen:
„Was macht diese Eigenschaft mit dir?“, „Warum ist dieser Spieler wichtig?“Besonders bei mehrfach belasteten Jugendlichen kann die Arbeit mit dem Spiel
über mehrere Sitzungen hinweg Vertrauen aufbauen und langfristig zu
Veränderung führen
Mein inneres Team
Lasst uns gemeinsam die Welt
zu einer verständlicheren
machen!
Vanessa & Matthias
von LiLea